Minden

Neugierig Übersicht

Seit geraumer Zeit wird fleißig an einem neuen Gesetz gefeilt. Dieses heißt Bundes-Teilhabe-Gesetz. Es soll die Teilhabe an der Gesellschaft für Menschen mit Behinderung ermöglichen und vereinfachen.

In einigen Punkten legt es dabei gute Maßstäbe an, doch an manchen Stellen produziert dieses Gesetz Ausgrenzung statt Teilhabe. Die Lebenshilfe fordert eine Überarbeitung dieser Punkte und bezieht ganz klar Stellung, welche unter www.lebenshilfe.de/bthg/ nachzulesen ist.

Viele Menschen wissen gar nicht, dass dieses Gesetz kommen soll und schon gar nicht, was es beinhaltet. Um diese Menschen zu erreichen, organisierte die Wohnstätte Minden zusammen mit dem Ortsverein Lebenshilfe Minden e.V. einen Infostand in der Mindener Innenstadt, direkt an der beliebten Martinitreppe.

Mit verschiedenen Infomaterialien, u.a. Postern und Postkarten und in Gesprächen wurde auf die Verschlechterungen aufmerksam gemacht, die auf Menschen mit Behinderung zukommen würden. Mit der Verteilung von frischem Popcorn und Schuhlöffeln wollten wir zusätzlich Interesse wecken und Menschen zum Stehenbleiben und Nachfragen animieren.

Um 11.11 Uhr trafen regionale Politiker ein, welche aufgrund ihrer Sommerpause auch in ihrer Region anzutreffen waren. Diese Entscheidungsträger zu informieren und für unsere Sache zu gewinnen, war die zweite wichtige Aufgabe dieses Tages.

Als Vertreter der Politik waren nachfolgende Personen anwesend: Frau Inge Howe (SPD), Frau Kristin Korte (CDU), Herr Ernst-Wilhelm Rahe (SPD),Achim Post (SPD) , sowie Sozialdezernent Hans-Jörg Deichholz (CDU) und die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Minden Ulrike Schulze (SPD).

Es fand ein reger Austausch auf Augenhöhe zwischen den Vertretern der Politik, Menschen mit Behinderungen und den Vertretern der Lebenshilfe statt. Die Menschen mit Behinderung konnten anhand eigener Beispiele die Brisanz und Ungerechtigkeit des neuen Teilhabe-Gesetzes aufzeigen.

Unter den Selbstvertretern befand sich der Lebenshilferat, sowie Vertreter der Wohnstätte und des Bewohnerbeirates der Wohnstätte.

Nach einem rein theoretischen Austausch durften die Gäste aus der Politik auch noch am eigenen Leib erfahren, welche Auswirkungen das neue Gesetz haben kann. Beim sogenannten „Poolen von Leistungen“ sollen Kosten eingespart werden, indem mehrere Menschen mit Unterstützungsbedarf gemeinsam unterstützt werden sollen, sprich: individuelle Wünsche können nicht richtig berücksichtig werden.

Um die Einschränkungen durch dieses Gesetz aufzuzeigen, wurden Vertreter der Politik, Menschen mit Behinderung, sowie einige Vertreter der Lebenshilfe mit einem Seil aneinander gebunden und dieser „Pool“ von Menschen sollte nun Eis essen gehen. Blöd nur, dass manche lieber einen Cappuccino wollten, oder lieber in eine andere Eisdiele gehen wollten oder einfach etwas mehr Aufmerksamkeit und Betreuung einforderten. Doch warum individuelle Wünsche beachten und erfüllen, wenn man Geld und Assistenz durch Pooling einsparen kann?

In der Hoffnung, dass möglichst viele Menschen nun gesehen und zum Teil auch erlebt haben, welche Auswirkungen der Entwurf des neuen Bundesteilhabegesetz auf einen Teil unserer Mitbürger haben kann, gingen wir mit einer Bilanz von ca. 8 kg verteiltem Popcorn, einer Liste an Unterschriften und unzähligen verteilten Postkarten zufrieden nach Hause.

Noch ist es nicht zu spät! Unterschreiben auch SIE unsere Petition noch heute:

#TeilhabeStattAusgrenzung

Artikel von Katja Klose und Natascha Neumann